Klostergärten, Insel Reichenau

Historische Quellen und Spuren neu erleben

Nach der Gründungslegende entstand das Kloster Reichenau im Jahr 724. Zwei der bedeutendsten Quellen über die Gartenkultur des frühen Mittelalters wurden hier verfasst: der sogenannte St. Galler Klosterplan (um 825) und das Gedicht «Hortulus» (um 830) des Reichenauer Mönchs Walahfrid Strabo. Die darin erwähnten Gärten befanden sich im Bereich der heutigen Klostergärten Reichenau. Ihre genaue Lage und Gestalt sind jedoch unbekannt.

Anlässlich des 1300-jährigen Jubiläums der Klostergründung im Jahr 2024 wurden die Klostergärten neu interpretiert und angelegt. Im Zentrum der Anlage liegt im Schatten von Maulbeerbäumen ein Brunnentrog aus Rohrschacher Sandstein, aus dem auch das Münster gebaut ist. Um ihn gruppieren sich unterschiedliche Gärten. Der Küchengarten und der «Hortulus» bilden die Quellen des Mittelalters ab. Daneben finden sich zeitgenössische Staudenpflanzungen in Rot, Blau und Gold. Sie greifen die Farben der Fenster im Münsterchor auf. Ein Rebtunnel verweist auf die Weinkultur der Insel. Im Bereich des früheren Friedhofs beim Münsterchor sowie entlang den Mauern wachsen die im Klosterplan genannten Obstbäume. Alte und moderne Sorten stehen hier vereint. Ein Kreuzgang aus geschnittenen Linden markiert die Stelle des mittelalterlichen Konventgebäudes. Hier befindet sich auch der nach dem Klostergründer benannte Pirminbrunnen.

Projektart: Denkmalgerechte Weitergestaltung
Auftraggeberschaft: Gemeinde Reichenau (D)
Bearbeitungszeitraum: 2017-2024